WK Kulturgüterschutz 2016, 7 - 10. Juni 2016

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Der WK KGS 2016 begann am Dienstag 7.6.2016 mit zwei Gruppenaufträgen: Spielzeugmuseum Thun und Schloss Oberhofen.

Die Gruppe Spielzeugmuseum erfasste mit Hilfe der Besitzerin Frau Schönholzer, alle prioritären Kulturgüter und konnte sich schon am Dienstagnachmittag an die Erstellung der KGS-Einsatzdokumentation auf den Laptops machen. Da Frau Schönholzer den gesamten Museumsinhalt bereits vorgängig inventarisiert und nach Priorität gegliedert hatte, ging die Erfassung ohne Schwierigkeiten vonstatten.

Die Gruppe, die im Schloss Oberhofen tätig war, konnte die Erfassung vor Ort am Dienstagabend ebenfalls abschliessen. Es wurde allerdings festgestellt, dass das historische Museum Bern viele der bereits anlässlich des letzten WK KGS 2015 erfassten Objekte zurückgenommen hat, da das Schloss wie auch das Museum inzwischen an eine Stiftung übergegangen ist. Auch ist derzeit unklar, welche der momentan vorhandenen Objekte weiterhin in der Ausstellung verbleiben werden. Schliesslich hat die Führung entschieden, dass die Erstellung der KGS-Einsatzdokumentation im Schloss Oberhofen bis auf weiteres sistiert wird.

Am Mittwoch, 8. Juni 2016 traf die Mannschaft pünktlich um 08.00 Uhr beim KP Buchholz ein. Die Vorfreude stand allen in die „Mutze“ geschrieben, denn heute wollte die verschworene Truppe eine Reise unternehmen. Gut gelaunt stiegen sie in den Bunker hinab, wo es nach einem kurzen Rapport und den Standortberichten aus den Gruppen, an die eigentliche Vorbereitung des Tages ging: Kafi und Gipfeli sponsored by Chef KGS Stv. Daniel Ott. Nachdem sich alle ausreichend verpflegt hatten – sei es mit Koffein, oder Nikotin – steuerte der zuverlässige Chauffeur Michael Sauser den nagelneuen VW-Bus auf die Hauptstrasse. Bis jetzt wurde der Zeitplan penibel eingehalten und die vorausgesehene Abfahrt verspätete sich nicht um eine Sekunde. Während der Fahrt in die Hauptstadt wurden die obligaten Zivilschutzweisheiten ausgetauscht und über die Sanierung von Strassen diskutiert. In der hintersten Reihe fachsimpelte man passioniert und fachkundig über Musik.

Exakt in dem Moment, als unser Fahrer in Bern einen Parkplatz gefunden hatte und alle aussteigen wollten, regnete es urplötzlich wie aus Eimern. Gut vorbereitet zückten die KGS-Spezialisten aber ihre neuen Regenjacken. Einen wahren Zivilschützer bringt so ein bisschen Regen ja nicht aus dem Konzept. Nach dem Motto „lieber zu früh, als zu spät“ erreichte die Truppe, die Nationalbibliothek fünf Minuten im Voraus.

Frau Grossenbacher, Buchrestauratorin und Mitarbeiterin der Nationalbibliothek, nahm die Gruppe schliesslich in Empfang und führte sie in das Restaurations-Atelier. Sie war sichtlich erfreut über den Besuch aus Thun und setzte sich, zum grossen Erstaunen aller Beteiligten, einen ZS-Mutz auf den Kopf. Dabei lachte sie und erklärte schliesslich, dass sie beim Zivilschutz Bern ebenfalls als KGS-Spezialistin tätig sei.

Humorvoll und motiviert, erklärte sie der interessierten WK-Truppe in welchen Fällen man ein Buch restauriert und welche Bücher und Medien in der Nationalbibliothek aufgenommen werden. Immer wieder war sie über das Fachwissen, der KGS-Spezialisten aus Thun beeindruckt. Aufgeweckt und mit grosser Lernbereitschaft stellten die Thuner, fachspezifische und knifflige Fragen, die Frau Grossenbacher in grosses Staunen versetzte. Nach der sehr spannenden und lehrreichen Einführung in die Welt der Restauration und Konservierung, ging es weiter zu Frau Schwery, die in breitem Walliserdiitsch das Bibliothekar- und Archivwesen erläuterte.

Das Highlight des Vormittags war dann definitiv der Abstieg in die Archivräume der Nationalbibliothek. Gemäss Frau Schwery wird nicht vielen Besuchern der Gang durch die heiligen Hallen der Archivalien  gewährt. Die Truppe fühlte sich sehr geehrt und stieg dann auch ehrfürchtig die schmale Wendeltreppe hinunter bis ins achte Untergeschoss. Den Aufstieg absolvierten dann jedoch die meisten mit dem Lift.

Nach dem Mittagessen dislozierte die Truppe zum Staatsarchiv an den Falkenplatz. Dort wurde ihnen von Herr Stebler, mit viel Know-How das weite Beschäftigungsfeld des Staatsarchivs näher gebracht. Nicht ganz so weit wie in der Nationalbibliothek, doch immerhin bis ins dritte Untergeschoss, stieg man dann, um kantonalbernische Archivalien zu begutachten. Nebst der sogenannt goldenen Handfeste, konnte man ein sehr altes Abkommen bestaunen, das klar aufzeigte, dass die Zürcher schon dazumal an erster Stelle sein wollten und das grösste Siegel an das Dokument hängten. Jedenfalls bis die Berner ein noch grösseres Siegel hinzufügten... Ebenfalls spannend waren die alten Karten, die Herr Stebler in petto hatte. So wurde von einem Berner Arzt einst eine Karte gemalt, die den Kanton Bern, samt detaillierten Zeichnungen der Schlösser und Burgen, in seiner vollen Pracht zeigte. Der einzige Makel, den die Truppe anzumerken hatte: Thun war zwar auf der Karte vermerkt, das wunderschöne Schloss war jedoch nicht ersichtlich.

Nachdem sich Herr Stebler also in die Karten blicken liess, führte er die KGS-Spezialisten wieder hinauf in das fünfte OG, in das Restaurations-Atelier des Staatsarchivs. Dort wurde nochmals aufgezeigt, welche Schäden an alten Schriftstücken und Büchern auftreten können und wie man sie behandeln kann. Ein Schwerpunkt waren diesmal Archivalien und weniger Bücher (wie bei der Nationalbibliothek). Nach dem ebenfalls lehrreichen Besuch des Staatsarchivs, machte man sich wieder auf den Rückweg nach Thun.

Auf der Fahrt wurde der ganze Tag ausführlich analysiert und zum Wohlergehen aller Beteiligten fand man endlich auch heraus, dass der neue VW-Bus über eine Klima-Anlage verfügt, die aufgrund der tropisch anmutenden Temperaturen im Wagen, nun sogar eingeschaltet wurde. Im Buchholz angekommen, verabschiedete man sich und trat den wohlverdienten Feierabend an.

Die KGS-Spezialisten können auf einen erleuchtenden Tag, mit viel zurückgelegten Höhenmetern und Temperaturunterschieden zurückblicken, an dem sie viele nützliche Infos in ihre Zivilschutztaschen packen konnten.

Am Donnerstag 9.6. arbeitete die eine Gruppe weiter an der Dokumentation des Spielzeugmuseums. Die andere Gruppe beschäftigte sich mit der Zusammentragung von Kunst, Skulpturen und Denkmälern im öffentlichen Raum der Stadt Thun. Es stellte sich heraus, dass die Kulturabteilung der Stadt Thun bereits eine ausführliche Liste über Kunst im öffentlichen Raum führt. Den Abschluss des Tages bildete eine Gruppendiskussion über den Ablauf eines „scharfen“ Einsatzes von der Alarmierung bis hin zur Nachbearbeitung.

Der aktuelle Stand der Erfassung im Schloss Oberhofen sowie die KGS-Einsatzdokumentation Spielzeugmuseums Thun konnten am Freitagvormittag abgeschlossen werden. Ammann und Aebi räumten zudem den Handwagen auf und sorgten mit einer cleveren Beschriftung dafür, dass er uns nicht wieder „geplündert“ wird. Nach einer kurzen Kaffeepause durften die KGSler einer Präsentation von Thorsten Jacob lauschen. Er präsentierte der versammelten Mannschaft sowie Martin Schmid und Roger Bürki das Tool „collact“ der Firma „derpunkt“. Bei diesem Tool geht es darum, eine Schnittstelle zwischen Feuerwehr und KGS zu schaffen. Die KGS-Spezialisten führten, jeder für sich, eine Pro- und Kontraliste zu „collact“, damit man am Nachmittag in einer Gruppenauswertung eruieren konnte, ob und wie das Tool neben der Feuerwehr auch im Zivilschutz (insbesondere KGS) eingesetzt werden könnte.

Beim anschliessenden Retablieren half die ganze Mannschaft so tatkräftig mit, dass die Entlassung eine Stunde vor der im Aufgebot angegebenen Zeit erfolgen konnte. Sofort nach Hause machten sich dann aber trotz dem in diesem Sommer eher raren Sonnenschein die wenigsten…auf dem Parkplatz vor dem KP wurde rege weiter diskutiert.

Für den Bericht:
KGS Spez Marco Gurtner, im Auftrag von Chef KGS Mike Gassner


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